Calvo’s Thesen (Eine subjektive Buch-Rezension)

Der Name Kristof Calvo sagt einem in dieser Gegend Belgiens vermutlich wenig. Vielleicht kennt man ihn, weil er einst mit nur 23 Jahren in die Kammer gewählt wurde, oder weil er weit vor seinem 30sten Lebensjahr bereits Fraktionsvorsitzender der Grünen in jener Kammer war. Mehr weiß man aber vermutlich nicht über ihn. Und wie auch?

Ein flämischer Kammer-Politiker, der auch im Stadtrat von Mechelen sitzt, was hat der mit unserem Leben zu tun? Genau das ist einer der Punkte, die Calvo in seinem Buch thematisiert. Wir haben so viele Politiker in so vielen Parlamenten nebeneinander, dass keiner mehr wirklich den Überblick hat und weiß, wer was entscheidet, geschweige wer die Abgeordneten sind. Leve Politiek, so heißt das Buch, in dem Kristof Calvo die Zukunft der Demokratie skizziert.

Es lebe die Politik? Das klingt provokativ in einem Zeitalter, in dem viele Menschen Politik gehörig satt haben und das Spektakel nicht mehr verfolgen. Wie beim Fußball, wo die Fans zwar noch zum Spiel kommen, den Verein aber ansonsten verteufeln. Man kennt das. Leve Politiek ist dem zum Trotz ein Plädoyer dafür, sich politisch einzubringen, aktiv zu werden und die Dinge zu verändern, die einen an der Politik so stören. Nicht zu unrecht zitiert Calvo sehr früh Bernie Sanders mit: „Demokratie ist kein Fußballspiel, bei dem man am Spielfeldrand steht und flucht, man steht selbst auf dem Platz.“

Kristof Calvo ist einer der Gründe, warum sich Groen in den Umfragen verbessert hat. (Q: Groen auf Facebook)

Calvos flammende Leidenschaft für die Politik erkennt man an den Anekdoten, die er wählt, um seine Vorschläge zu verdeutlichen. Von politischen Diskussionen spät nachts im Ausgehviertel Mechelens über Briefe, die ihm Schüler beim Besuch im Parlament in sein Fach legen, bis hin zur Sitzordnung in der Kaffeeküche der Abgeordneten, es geht Calvo weniger um die technischen Details der Ideen, als um die Gründe dahinter. An manchen Stellen wirkt die Geschichte etwas dick aufgetragen, doch im rasanten Rhythmus der ein- bis zweiseitigen Kapitelchen fällt das nicht weiter auf.

Immer wieder nennt Kristof Calvo sich selbst ‚Possibilist‘ – im Gegensatz zu Realist – es geht ihm nicht darum, was wahrscheinlich ist, sondern was möglich ist. Er spricht von Idealszenarien, wie dem bedingungslosen Grundeinkommen oder internationaler Solidarität. Hohe Ziele, von denen er zugibt, dass sie niemals über Nacht zu Stande kommen werden. Aber darum geht es ihm: Junges Blut in der Politik kann etwas verändern und langfristig diese hohen Ziele umsetzen. Das Zeitalter von „TINA“, wie er das Prinzip There Is No Alternative nennt, erklärt er für beendet. „Es geht immer anders.“ (31) So findet man in den letzten Seiten des Buches dann 50 kondensierte Vorschläge, die er für eine bessere Demokratie hat. Direktes Feedback ist erwünscht: Auf Calvos Website kann man sich zu jedem der Vorschläge äußern und Input geben. Das ist ein gelungenes Konzept, vorausgesetzt man hat das Buch gelesen.

Und genau das habe ich sehr gerne getan. Leve Politiek liest sich einfach für ein politisches Buch. Man merkt, dass Calvo die Politik liebt und das zu Papier bringen will. Seine Ideen sind frisch, konsequent, aber trotzdem nicht unumstritten. Wer sich als grüner Spinner identifiziert, oder generell mit der Politik unzufrieden ist, sollte das Buch lesen. Als Inspiration, nicht als Anleitung, denn verändern tut das Buch nichts, dafür sind immer noch wir zuständig.

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Eine von Calvos Ideen: Bei Wahlen für verschiedene Menschen auf verschiedenen Listen stimmen!

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