Wahlkampf-Tagebuch #2: A little less conversation, a little more action please

Wenn es einen Streik gibt, der in mehr als 100 Ländern der Erde stattfindet, dann sollte man ihn ernst nehmen. Gestern war dies der Fall, beim Global Strike for Future. Mitten drin, statt nur dabei: Meine Mehr- oder Wenigkeit. Ein kleiner Bericht von meiner ersten Demonstration.

Ein nahezu einzigartiges Bild: Hunderte junge Menschen strömen aus dem Gare du Nord. Allesamt wollen sie für das Klima demonstrieren. Ich schaue mir dieses beeindruckende Bild von der Seite an, wo die Grünen stehen. Wir sind zur Unterstützung hier, warten darauf, uns hinter die tausenden Jugendlichen einzureihen und durch Brüssel zu marschieren.

In meinem Leben habe ich noch für gar nichts demonstriert, vielleicht aus Unbehagen vor großen Menschenmassen, vielleicht aus Mangel an Willen, durch den Regen zu laufen. Das ist heute anders. Woche für Woche zeigen die Jugendlichen, dass sie verstanden haben, dass es keine schönen Sprüche im Kampf gegen den Klimawandel braucht, keine Foto-Ops mit Greta, auf die man sich als Politiker drückt, um Sichtbarkeit zu erlangen in Zeiten des Wahlkampfs. Es braucht konkrete, langfristige Veränderungen und die braucht es jetzt.

Spoiler-Alert for the new Season of Earth.

Ich habe viele negative Meinungen zu diesen Streiks gehört. Dass Schüler gar nicht die Informationen hätten, um sich eine Meinung bilden zu können. Dass Schüler nicht das Recht hätten, für das Klima zu demonstrieren, wenn sie ein iPhone haben und nach der Demo importiertes Obst kaufen gehen. Die Logik stimmt und ist dennoch genau der Grund, warum man unbedingt als Schüler auf die Straße gehen sollten: Weil sich Politiker den Berichten der Wissenschaftler sperren und entgegen jeder Logik im Sinne lukrativerer Interessen entscheiden. Oder wie es ein Plakat audrückt: „Why should we go to school if you don’t listen to science?“

Wir sollten diese jungen Menschen ernst nehmen, denn sie zeigen uns, dass wir lange genug nicht darüber nachgedacht haben, in welcher Welt unsere Enkel mal leben sollen. Dieser Generation ist diese Frage wichtig. Und das ist gut so.

Bis zum nächsten Mal,
Michael