Ungefragt: Die Zerrissenheit der Dinge

Wenn auch Du Kommentare von unterqualifizierten Menschen mit unbegrenztem Zugang zu Textveröffentlichungsmöglichkeiten liebst, dann bist Du hier richtig. Heute reden wir über das wichtigste Thema seit langem: Ein Satire-Lied, das ein paar Leute mehr als gedacht beleidigt hat und irgendwie genau deshalb erreicht, was es sollte.

Ich werde mal die gesamte Frage darüber, ob das nun als Satire gesehen werden darf abkürzen: Ja. Wissen Sie warum? Weil ein Team von Comedy-Writern sich das als Gag ausgedacht hat und in einem satirischen Rahmen veröffentlicht hat. Und hier sollte die ganze Geschichte bereits zu Ende sein. Wenn denn da nicht ein Mann namens Tom Buhrow wäre, seines Zeichens Intendant des WDR.

Buhrow hatte auf die Welle der Empörung reagiert, nannte das Video „missglückt“ und so verschwand das Musikstück aus allen WDR Kanälen. Die WDR Redakteure zeigten sich ihrerseits „fassungslos“ über „eine Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit“. Auf ihre Kritik, Buhrow habe dem rechten Shitstorm nachgegeben, antwortete dieser, die Entrüstung sei weit über eine orchestrierte Welle der Empörung hinausgegangen.

Leider ist es alles komplizierter, als die rechte Welle auf der einen Seite und die Satiriker auf der anderen, wage ich mal zu behaupten. Da haben wir den Intendanten, der die Entscheidung darüber treffen muss, ab welchem Prozentsatz eine öffentlich-rechtlich finanzierte Satire zu viele der dafür zahlenden Bürger beleidigt. Auf ihn wirkt Druck von wichtigen Leuten, die ganz eigene Interessen haben. Dazu gesellen sich nun die Autoren, die ihrerseits auf den Schutz des Intendanten vor Rechtfertigungsnot ihrer Kunst angewiesen sind. Auf ihnen lastet der Druck der vielen, denn ihr Name steht unter der Satire. Hinzu kommen eine völlig missglückte Rentenpolitik und Altersarmut, eine Prise Geschichte, eine fragmentierte Gesellschaft über alle entscheidenden Themen unserer Zeit und den Generationenkonflikt, der daraus entsteht.

Enter: „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“, gesungen von einem Kinderchor. Ich finde das lustig. Es gibt aber durchaus Menschen, die das nicht lustig finden. Satire ist nämlich Geschmackssache. Und in diesem Fall war es harte Satire, die wehtut. Darf ein WDR das?

Den Künstler dafür verantwortlich zu machen, dass die Satire wunde Punkte trifft, ist wie dem Stürmer vorzuwerfen, er habe das leere Tor nur getroffen, weil er gegnerischen Fans verletzen wollte. Verantwortlich sind andere. Das Stück ist offen für Interpretation, beschreibt aber für mich die „Zerissenheit der Dinge“ zwischen einer Generation, die merkt, wie ihr die Zeit davonläuft im Kampf gegen den Klimawandel und einer Generation, die mit ganz anderen Herausforderungen aufgewachsen ist und ganz andere Dinge wichtig findet.

Was also tun? Sich nicht aufregen? Wäre ein Anfang, aber dann wäre die Satire ja an der ersten Hürde gescheitert (Nämlich: Regt sich jemand auf?). Das Video jedoch zu löschen war ein fataler Fehler in meinen Augen, denn es setzt den Präzedenzfall und tötet die WDR-Satire nachhaltig, indem man sich nicht vor die Autoren stellt. Denn wenn der Intendant sich nicht auf die Seite der Autoren stellt, warum sollten die sich dann noch trauen, etwas „gefährliches“ zu schreiben? Und solange es Missstände gibt, sollte es auch Satire geben, die darauf aufmerksam macht. Für die Lösungen auf all die Probleme können sich die Politiker gerne melden. Die Diskussion ist nur ein Ausweichmanöver.

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