Garrys Welt #1 – Schreiben Schreiben Schreiben

Ein Kompliment, das man mir macht und auf das ich stolz bin, ist: „Deine Comedy-Texte haben eine besonders gut geschriebene Struktur.“ Stolz bin ich darauf, weil das wenig mit Talent zu tun hat, sondern mit harter Arbeit und Training. Hier ein Shortcut zum Geschichtenschreiben:

Ich glaube, es wäre wesentlich cooler, wenn ich sagen könnte, das „Schreiben“ wäre mir einfach in die Wiege gelegt worden. Dummerweise beweisen die Kommentare auf der Vielzahl meiner Uni-Arbeiten das Gegenteil. Was also tun? Während meiner Pause von der Stand-Up Comedy habe ich sehr viel Zeit darin investiert, Theorien zum Storytelling zu lesen. Keine davon hat mir jedoch so geholfen, wie Dan Harmon’s 8 Point Story Circle.

Für diesen „Kreismythos“ basiert sich Harmon auf dem von unter anderem Joseph Campbell beschriebenen Monomythos, (auch: Heldenreise) der besagt, dass eigentlich jede große Erzählung auf eine Reihe von Elementen heruntergebrochen werden kann. Von Star Wars bis Ödipus eine Vorlage? Das klingt viel zu einfach und wird von vielen Künstlern als zu simplistisch abgeschrieben. Dan Harmon jedoch adaptierte den Monomythos in eine noch simplere Form, die er seither für seine Fernsehserien Community und Rick & Morty nutzt, die beide von Kritikern und Fans gleichermaßen hochgelobt werden. Ein Tutorial dazu mit Analyse von The Dark Knight kann man sich hier ansehen:

Was ist also der Achtpunkt-Kreismythos? In einem Satz zusammengefasst: „Du brauchst etwas und gehst auf die Suche, dann findest du die Göttin, doch zahlst den Preis und kehrst zurück – verändert.“ In acht Schritten sieht die Blaupause für Episoden einer größeren Geschichte so aus:

  1. DU: Etabliere den Protagonisten, mit dem zusammen der Zuschauer auf die Reise geht. Welches ist sein Status Quo zu Beginn?
  2. BRAUCHST ETWAS: Der Protagonist braucht etwas, um diesen Status Quo zu überwinden. Ob Liebschaft, Schatz oder Rache. Dies bringt die Story in Gang.
  3. UND GEHST: Ist das Ziel gesetzt, begibt sich der Protagonist aus seiner Komfortzone und in Bewegung. Hier verändert sich die Geschichte und ihr Takt.
  4. AUF DIE SUCHE: Es dauert, bis man sein Ziel erreicht und unser Protagonist stellt fest, dass man (viele) Prüfungen durchlaufen muss, um ans Ziel zu kommen.
  5. DANN FINDEST DU DIE GÖTTIN: In diesem Schritt findet der Hauptcharakter etwas Besonderes, doch es stellt sich heraus, dass daran viel mehr hängt, als er zu Beginn dachte.
  6. DOCH ZAHLST DEN PREIS: Die Göttin zu finden kann dem Protagonisten teuer zu stehen kommen, wenn ihm dabei klar wird, welche Konsequenzen seine Reise hat.
  7. UND KEHRST ZURÜCK: Der Weg zurück in die uns bekannte Welt.
  8. VERÄNDERT: Die Lehren und Kämpfe haben Spuren hinterlassen. Obwohl unser Protagonist wieder zurück am Anfang ist, ist weder er derselbe, noch die Welt um ihn.

Einfach, oder? Nun, dazu gesellt sich noch die Dichotomie zwischen Ordnung und Chaos, Bewusstsein und Unterbewusstsein, welche in den meisten Fernsehserien den Unterschied zwischen dem Framework der Staffel, also den festen Gegebenheiten, und den Erfahrungen innerhalb einer Episode machen. Ist die Göttin, die der Protagonist findet, eine tiefe Erkenntnis über sich und sein Verhalten, so wird sie in den Tiefen des Unterbewusstseins gefunden.

Noch immer zu einfach? Okay, dann gehen wir einen Schritt weiter: In guten Serien ist auch die Staffel als Überstruktur dieser Formel unterwerfbar. Nehmen wir Bojack Horseman. Jede Folge ist eine eigenständige Geschichte, aber ebenso jede Staffel und die Serie als Gesamtes ebenso.

Aber wirklich gut wird eine Geschichte erst, wenn man nicht nur einen Protagonisten hat, sondern eine ganze Sagenwelt, in der jeder Charakter, auf den der Protagonist trifft, ebenso diesen Kreis durchläuft und basierend auf den jeweiligen Sehnsüchten, Göttinen und Ausgangssituationen handeln. Jetzt sind wir etwas abstrakt, oder? Schauen wir uns ein weiteres Video an in dem Dan Harmon es selbst erklärt:

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