Ein Wunsch nach Rache

Ich erinnere mich noch gut an ein Buch, das wir einst in der Universität bearbeiteten. In Nadine Gordimers The House Gun wird nach dem Mord eines jungen Afrikaners an seiner Freundin das Thema der Todesstrafe und die Rolle derselben in der Gesellschaft verarbeitet. Ein Satz ist mir dabei dauerhaft im Gedächtnis geblieben: „And maybe for the good of society they ought to be done away with.“ Vielleicht wäre es besser für uns alle, wenn sie abgeschafft würden, diese Menschen. In unseren Breitengraden ist die Todesstrafe schon längst nicht mehr geläufig, unser Justizsystem funktioniert nach einem Prinzip, in dem Kriminelle nicht beseitigt, sondern verbessert werden müssen. Und dennoch gibt es Momente wie diese:

Emotionalität ob der Grausamkeit eines Terroranschlags ist okay. Trauer und Wut sind verständlich. Der Wille nach Rache ist verständlich. Aber der Ruf nach der Todesstrafe ist einer, der dem Ideal unserer Westlichen Welt widerspricht. Das Richten über Leben und Tod steht uns in unserem Glauben an die Unantastbarkeit des Lebens nicht zu. Und doch lese ich dieser Tage Dinge wie:

Ge

Ist es nicht genau dieser Punkt, an den uns der Terror bringen soll? Dahin, wo wir blind vor Wut unsere Rechtssysteme über den Haufen schmeißen, um die Genugtuung der Rache zu erfahren. Wo wir über die Menschlichkeit hinaus gehen, um das letzte Wort zu haben. Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist der feuchte Traum des Pyromanen. Und das passiert aktuell. Der westlichen Welt wird erneut und erneut das Haus in Brand gesetzt – metaphorisch gesprochen. Beginnen wir, die Brandstifter auf den Scheiterhaufen zu stellen, so haben wir bereits den Kampf gegen die Pyromanen verloren. Ein Wettbewerb der Grausamkeit darf nicht entfachen.

Anders gesagt: Fordern wir die Todesstrafe in Fällen der besonderen Grausamkeit, überschreiten wir eine Linie, die sich zum Strick um unseren eigenen Hals formt. Töten wir selbst im Glauben, dies aus Gerechtigkeit zu tun – sind wir nicht mehr besser als die Terroristen und Mörder, deren geistige Verrohung wir auszumerzen versuchen.

Michael2

Music: For Reasons Unknown

Heute Abend habe ich mich einem Musiktipp gewidmet, der mir vor sehr langer Zeit gegeben wurde: Das Album Sam’s Town von The Killers. Und ja, das Album wird dem Hype gerecht, den es vor vielen Jahren und bis heute mit sich zieht. Dieser Song ist besonders fantastisch.

Der Fünfzigjährige, der auf den Projektor starrte und verstand.

Es gibt in der Welt der Universität nur eine Hand voll Dinge, auf die man sich verlassen kann. Darauf, dass die Kommilitonin, die ihr Scheitern bei der Prüfung am lautesten proklamiert, die beste Note hat, oder darauf, dass man sich einer Bekanntschaft gerade dann bewusst wird, wenn man wirklich unbedingt deren Notizen braucht. Weiterlesen

Das Ende der Studentenzeit #1

Nach all den lauten Abschieden und Partys der letzten Tage stand nun ein ganz leiser und privater Abschied an: Meine Wohnung in Liège musste geräumt werden. Es hätte mir eigentlich nichts bedeuten sollen, schließlich war es die vierte Wohnung, die ich in Lüttich hatte. Weiterlesen

Drachen, Einhörner und noch mehr. Nicht.

Glauben Sie mir: ich möchte wirklich, dass Sie weiter lesen. Allerdings ist meine Sorge, dass Ihnen das Interesse sehr schnell flöten geht, wenn nicht schon der erste Post auf diesem Blog von Drachen, Einhörnern und mehr spricht. Vielleicht bin ich zu kritisch mit Ihnen, wir lernen uns ja gerade erst kennen. Meine Mehr- oder Wenigkeit ist Mike. Weiterlesen